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Unternehmerisches Denken und Handeln: Entscheidend ist das geistige, strategische, operative und finanzielle Zusammenspiel

16 Jun. 2018 von Michelle Lorenz
Frank Wisniewski gibt eine Schulung

Ein Unternehmer braucht nicht nur eine Geschäftsidee. Kurz- und langfristige Planung, die operative Organisation und finanzielle Kompetenz gehören ebenso zu einem erfolgreichen Business. Der Berliner Unternehmensberater und Dozent Frank Wisniewski berät nicht nur erfolgreich Gründer und Start-Ups aus den Bereichen Dienstleistung, Handel, Handwerk, Kunst und Kultur mit individuellen und Komplettlösungen. Auch gestandene Unternehmen nehmen Wisniewskis innovative Kommunikationsschulungen zu Teamarbeit und Konfliktmanagement, aber auch zu Akquise, Verkaufsgesprächen oder Kulturarbeit gerne in Anspruch.

Herr Wisniewski, Sie sind nicht nur Profi für Unternehmenskommunikation, Bilanzbuchhaltung und Forderungsmanagement – Sie haben auch eine technische und künstlerische Theaterausbildung. Helfen Ihnen Rollenspiele bei der praktischen Unternehmensberatung?

Auf jeden Fall. Der Ursprung des Rollenspiels liegt in der Theaterpraxis und wurde besonders durch das Psychodrama in die Pädagogik eingeführt. Es geht hierbei darum, die Wahrnehmung, Empathie, Flexibilität, Offenheit, Kooperations-, Kommunikations- und Problemlösefähigkeit zu fördern und zu entwickeln. In Rollenspielen kommt es mir darauf an, die Selbst- und Fremdbeobachtungsfähigkeiten meiner Kunden zu schulen. Es ist für mich ein probates Mittel, Wissen zu vermitteln, ohne belehrend zu wirken oder den „Zeigefinger zu erheben“. Außerdem macht es den meisten Kunden Spaß und mit Spaß lernt es sich am leichtesten.

Sie beraten auch Jobbewerber, Arbeitslose und Selbstständige in puncto Bewerbungstraining und Leistungsbezug. Wie aussichtsreich es für einen Arbeitslosen, sein eigenes Start-Up zu gründen?

Das kommt natürlich darauf an, welche Voraussetzungen bei den Gründern vorhanden sind. In welchem Bereich soll gegründet werden? Gibt es einen Markt für die Geschäftsidee? Wie sieht es mit der Konkurrenz aus? Welches sind die anvisierten Zielgruppen und welchen gesellschaftlichen Hintergrund haben sie? Haben die Gründer eine solide Ausbildung? Welche berufliche Erfahrung in ihrer Branche bringen sie mit? Haben sie etwas Startkapital? Sind sie bereit, viel zu arbeiten? Sind sie bereit, auf Luxus zu verzichten? Können sie mit Zahlen umgehen? Können sie verkaufen?
Wenn sie den Großteil der Fragen mit ja beantworten, bringe ich ihnen bei, wie man Ideen durch unternehmerisches Denken und Handeln umsetzt. Dann helfe ich bei der Beschaffung des benötigten Startkapitals. Das geschieht in der Regel durch einen Kredit bei der Arbeitsagentur oder dem JobCenter. Auch Einstiegsgeld für die Selbstständigkeit ist eine Möglichkeit, sich finanziell besser aufzustellen. Grundsätzlich ist Gründen besser, als zu Hause zu sitzen und auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein, wenn man keine Aussicht auf eine Festanstellung hat oder die Aussichten eher überschaubar sind. Das Alter spielt hier keine Rolle.

Nicht jeder Gründer ist ein guter Unternehmer. In wieweit lässt sich operatives und strategisches Planen erlernen?

Das hat viel mit dem Bildungsgrad zu tun, aber auch mit der inneren Einstellung. Wenn ich gut delegieren kann, muss ich nicht alles selber machen. Ich muss aber wissen: „Wo soll die Reise hingehen“? Grundsätzlich ist die Frage aber mit ja zu beantworten, es ist erlernbar.

Sie legen großen Wert auf interne Unternehmenskommunikation und zielgerichtetes Handeln. Lassen sich betriebliche Reibungsverluste durch Kommunikationsstörungen organisatorisch ausgleichen?

Kommunikationsstörungen zerfallen in zwei Bereiche: die Problemstellungen und die Problemlösungen. Das Kommunikationsziel ist die Verständigung. Eine gute Unternehmenskommunikation macht nicht den Einzelnen zum Problemträger, sondern das System. Hier liegt die Lösung für betriebliche Reibungsverluste.

Sie blicken auf 12 Jahre als Geschäftsführer im kulturellen Bereich zurück. In Ihren Schulungen bieten Sie Selbstvermarktung für Künstler, Zeit- und Selbstmanagement sowie Preisfindung für Gründer an. Sind Kreative die schlechteren Geschäftsleute oder sind individuelle Produkte schwerer zu vermarkten?

Künstler sind meistens Rechtshirner. Die rechte Gehirnhälfte ist verantwortlich für Körpersprache, Bildersprache, Intuition, Gefühl, Kreativität, Spontaneität, Sprunghaftigkeit, Neugier, Spielen, Risiko, Synthese, Überblick, Kunst, Tanz und Musik, ganzheitliche Zusammenhänge und Raumempfinden. Die rechte Gehirnhälfte steuert also mehr die Intuition, Kreativität und Gefühle. Die linke Gehirnhälfte ist für alles zuständig, was im allgemeinen Verständnis als Denken bezeichnet wird. Sie denkt in Sprache, in Begriffen, sie denkt logisch, analytisch. Hier genau liegt das Problem. Künstler sollen künstlerisch denken. Manche Künstler sind nicht in der Lage geschäftlich zu denken, andere wollen nicht. Es gibt aber auch Künstler, die sehr gute Geschäftsleute sind. Kunst zu vermarkten ist schon eine eigene Kunst, da sie in vielen Fällen nicht messbar ist (finanziell). Es geht hier auch vorwiegend um die Selbstvermarktung. Bei diesem Thema sträuben sich bei vielen Künstlern schon die Nackenhaare.

Sie bringen analytisches Denken und effiziente Strukturen in Unternehmen. Gibt es einen idealen Unternehmertyp, der Idee, Strategie, Organisation und Finanzen optimal verbindet, oder ist jeder Betrieb nur eine Annäherung an betriebswirtschaftliche Zielen?

Nein, es gibt den Unternehmertyp und zwar in allen Schattierungen. Die meisten scheitern leider an ihrem eigenen Ego oder an der Gier. Am besten ist ein gut funktionierendes Team mit mehreren Fachleuten auf ihren Gebieten und einem Entscheidungsträger. Hier liegt es dann am richtigen Augenmaß für die jeweils relevanten Entscheidungen.

Wie hat die Digitalisierung das Zusammenspiel dieser vier Ebenen in Unternehmen verändert?

Digitalisierung und Globalisierung erzeugen immer mehr eine Dynamik, die von Menschen, Unternehmen und Politik als komplexe Bedrohung wahrgenommen wird. Unternehmen sollten sich bewusst sein, dass eine mögliche Änderung ihres Geschäftsmodells nur mit Menschen erreicht werden kann. Der Mensch bleibt daher für das Unternehmen noch immer die wichtigste Ressource. Arbeitsprozesse werden optimiert, die Werbung im Internet gewinnt an Bedeutung. Wenn ich heutzutage nicht im Internet zu finden bin, nützen mir die vier Ebenen überhaupt nichts, da sie keine Wirkung entfalten können. Es ist das Zusammenspiel zwischen analog und digital, was den gesunden Mix ausmacht. Die Digitalisierung hat die vier Ebenen eher näher zusammengebracht als verändert. Die Herausforderungen des Marktes verändern sich ebenfalls viel schneller als früher. Ich kann heute adäquater, zielgerichteter, zeitnaher reagieren und kommunizieren.

Hat die Beschleunigung und schnelle Verfügbarkeit von Daten, aber auch Online-Feedback oder Social Media neue Akteure bei der Unternehmensplanung geschaffen?

Hier sind regelrecht neue Geschäftsfelder entstanden.

Welche Hindernisse sind die häufigsten, die Ihnen in angeschlagenen Unternehmen begegnen?

Kurzsichtigkeit, Ideenlosigkeit, Panik, Angst und so weiter. Wenn der Baum brennt, lautet mein Motto: „In der größten Not ist der Mittelweg der Tod“! Die meisten Kunden folgen und vertrauen mir.

Wie zugänglich sind Ihre Kunden für externe Problemlösungen? Gibt es Unterschiede bei Firmenleitungen und Beschäftigten?

Ich habe ja meistens mit der Firmenleitung zu tun. Es gibt für mich bei Problemlösungen keinen Unterschied in der Hierarchie, da ich mich auf die Probleme und nicht so sehr auf die Person konzentriere. Ist eine Person das Problem, wird es auch automatisch ein hierarchisches Problem, das schwerer und nicht allein zu lösen ist.

Sollte Unternehmensberatung ein kontinuierlicher Prozess für einen Betrieb sein oder genügt gelegentlich situatives Eingreifen?

Es sollte ein kontinuierlicher Prozess sein. Das ist aber immer von der finanziellen Ausstattung eines Betriebes abhängig.

Welches sind die größten Herausforderungen, mit denen sich unternehmerisches Handeln in den nächsten Jahren befassen muss?

Mit der Digitalisierung der Industrie – die Industrialisierung 4.0 wird alle wirtschaftlichen Bereiche betreffen, sie läuft ja jetzt schon.

Herr Wisniewski, wir danken für Ihre interessanten Antworten.

Über den Autor

Michelle Lorenz

Michelle Lorenz Michelle ist im vierten Semester ihres dualen Studiums des Marketingmanagement mit dem Schwerpunkt auf Online Marketing. Sie arbeitet sowohl im Bereich Analyse als auch im Bereich Text, um ihren SEO-Kunden das bestmögliche Ergebnis aus einer Hand zu generieren. Mit großem Interesse an aktuellen Trends und einer guten Auffassungsgabe gelingt Michelle der Zugang zu neuen Themen spielend, so dass sie ein enormes Spektrum abdeckt.

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